Auf zu den Göteborger Schären!

Ich sitze in Rønnerhavnen, habe gerade gegessen und trinke ein verhältnismäßig teures (aber für hier noch ziemnlich günstiges) dänisches Bier aus der Dose. Die Sonne ist immer noch nicht untergegangen (es ist nach 2200 Uhr). Das schwedische Midsommar Fest 2026 findet auch dieses Jahr ohne Amy und mich statt. 

Palmenstrand in Rønnerhavnen

Einmal wollte ich das schon gerne erleben und alle Zeichen standen auf GO!, aber nun sitze ich halt in einem kleinen ruhigen Yachthafen in Dänemark südlich von Skagen, quasi direkt gegenüber von Göteborg. Immerhin ist es auch hier nur ca. zwei Stunden dunkel. Und es gibt sogar Palmen am Strand. Und vielleicht sind solche Feiern auch überbewertet. Immerhin hatte ich schonmal ein sehr einschlägiges nicht undbedingt angenehmes Erlebnis bei einem Gig anläßlich des IKEA Family Midsommar Krebseessens in Berlin … aber ich schweife ab.
Also aus den Göteborger Schären wurde nichts. Denn ich will ja nicht nur da hin, sondern weiter. Erstmal nach Schottland, wo Zissi dann dazu stößt, und später noch weiter. Wegen der angekündigten Windrichtungen der nächsten Zeit bin ich nunmal hier wesentlich besser aufgestellt als da.
Nach zwei Jahren Reparaturen und Verbesserungen am Boot (die man auf den ersten Blick leider kaum erkennt) und so gut wie kein Segeln, ging es nun nach vielen Vorbereitungen endlich am Dienstag Abend in Greifswald los. Frank hatte netterweise noch was gekocht (danke nochmal Frank!), sodaß ich nicht mit leerem Magen losfahren mußte. Er fuhr auch noch mit dem Fahrrad bis nach Weck, um mich zu verabschieden. Außerhalb des Boddens vor Thiessow verbrachten Amy und ich noch eine beschissene Nacht vor Anker mit soviel Schwell, daß ich mich ständig festhalten mußte.
Es war immer noch saukalt und bis zum Wochenende extrem windig gewesen, aber windmäßig sah es so aus, als würde ich bis Göteborg in einem durchsegeln können. Eine der Verbesserungen war das neue biozidfreie Antifouling. Das verhindert halt logischerweise leider nicht den Bewuchs, aber man kann ihn leicht abwischen. Das bedeutet aber, man muß ins Wasser und tauchen. Ich hatte mir das Mitte Juni irgendwie anders vorgestellt, aber es war wichtig für die längere Fahrt, die bevorstand. Am Dienstag Morgen am Ankerplatz betrug die Wassertemperatur 14 Grad, die Lufttemperatur 12. Mit Neoprenanzug habe ich überlebt, aber nach einer Stunde im und unter Wasser war ich ganz schön fertig. Jetzt konnte es aber losgehen. Auf zu den Göteborger Schären!!

Wir waren auch gleich viel schneller und es lief alles ganz rund. Mehr GegendenWindGebolze, als ich gehofft hatte, aber wir kamen voran und zwar nicht schlecht. Es gab eine Masse OWPs (Offshore Wind Parks) zu umgehen und zu durchfahren und viel Schiffsverkehr in der Kadettrinne und insofern war an 20min. Schlaf erstmal gar nicht zu denken. Aber ich war voller Energie und Tatendrang und so ging’s bis zur Øresundeinfahrt am nächsten Morgen alles geschmeidig vonstatten. 

Im Øresund war herrliches Sommerwetter und Wind aus der richtigen Richtung. Was dazu führte, daß es voll war wie auf dem Wannsee an einem Wochenende im Sommer. An Schlaf war also wieder nicht zu denken und jetzt ließ auch das mit der Energie ziemlich nach. Abends am Ausgang zum Kattegat mußte dann auch noch gekreuzt werden und wegen mittelstarker Strömung gegenan, kreuzte ich drei Stunden mehr oder weniger auf der Stelle. Ich war eh schon frustriert als ich den Motor anschmiß, aber als dann ein paar Yachten auch noch kreuzenderweise unter Segel an mir vorbeizogen, war ich so schlecht gelaunt, daß ich ans Umdrehen dachte. Was soll ich hier? Ich kann noch nichtmal richtig segeln. Und lauter solche Gedanken.
Das Kattegat war dann richtig leer und nach ein paar Stunden hielt ich den Motorlärm nicht mehr aus und so ging es mit 1.5kn Fahrt unter Segeln super ruhig weiter und ich kam endlich dazu, mich hinzulegen.

Vorher gab es allerdings noch eine Planänderung: Eine andere Verbesserung bei Amy ist die neue Amateurfunk Kurzwellenanlage, die ich eingebaut habe. Dazu mußte ich noch eine relativ aufwendige Prüfung für die Lizenz über mich ergehen lassen. Ich kann aber damit unterwegs viel besser und einfacher Wetter checken, als je zuvor. Und zwar theoretisch egal, wo ich bin. Sie funktioniert bis jetzt auch 1a. Mit dem neuen Wetterbericht wurde allerdings auch klar, daß die Ostseite des Kattegats wo Göteborg in nächster Zeit alles andere als ideal als Absprungbrett in Richtung Westen werden würde. Daher der Plan nach Skagen zu fahren. Da der Hafen in Skagen aber relativ teuer ist, entschied ich mich für den hier: Rønnehavnen mit dem Palmenstrand.
Ich war nun also gut ausgeruht un der nächste Tag war eine einzige Belohnung. Alle Zweifel waren   weggewischt und ich genoß das Leben. Ich hatte das Gefühl, daß mir so langsam wieder Seebeine wuchsen (oder zumindest Beinchen).
…Bis die Sturmwarnung von Lingby Radio kam. Die kam mir zwar nach weiterem Checken der Wetterverhältnisse dank meines tollen neuen Apparates für meine direkte Route relativ unrealistisch vor, betraf aber das Kattegat und so ließ sich ein gewisser Kloß im Hals nicht mehr beseitigen. Ich hatte immerhin noch ca. 18 Stunden vor mir und ein näherer Hafen hätte wieder längeres Warten auf die Weiterfahrt bedeutet.

Um es kurz zu machen: Es gab überhaupt keine weiteren Komplikationen. Der Wind nahm etwas zu und wir flogen vor dem Wind dahin und gegen halb ein Uhr morgens erreichten wir den Hafen und fanden nach einmal Umlegen einen geeigneten Platz.


6 Antworten auf „Auf zu den Göteborger Schären!“

  1. Hallo Kai,

    Schön wieder von Dir zu lesen! Weiter gute Fahrt und genieße das kühlere Wetter! Wir kratzen hier täglich an der 40°C Marke.

    Viele Grüße
    Christoph

  2. Lieber Kai!
    Hunger ist ein schlechter Reisebegleiter, besonders bei kühlen Temperaturen auf dem Wasser und dann, wie ich jetzt gelesen habe, später noch im Wasser.
    Danke auch Dir für deine Gesellschaft und mögen die Winde eine baldige Weiterfahrt ermöglichen.
    Viele Grüße Frank

    1. Lieber Frank!
      Vielen Dank. Die Winde haben Deine Nachricht erhört und ich bin schon in Norwegen angekommen. War nicht viel Wind, dafür aber aus guter Richtung und so waren wir zwar oft extrem langsam, aber es ging.
      Viele Grüße
      Kai

    1. Liebe Karin!
      Danke Dir. Ich hoffe, es ist nicht zu heiß in Berlin. Hier läßt es sich gerade sehr gut aushalten, obwohl es nachts sehr kalt, dafür aber nie dunkel wird. Auch’ne neue Erfahrung.
      Viele Grüße
      Kai

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