Brightlingsea

Ich hatte die ganze Nacht furchtbar geschwitzt. Es ging mir nicht richtig schlecht, aber auch nicht gut. Ich entschied aber, trotzdem loszufahren. Über Funk wurde ich von Dover Port Control zur Ostausfahrt geleitet und motorte dann an den Cliffs entlang in den wunderschönen Sonnenaufgang.

Bis North Foreland am Südende der Themsemündung mußten wir motoren. Danach konnten wir für den Rest des Tages segeln. Die Themsemündung ist voller Wracks und die Sandbänke und Priel haben ominöse Namen wie Sunk, Black Deep, Knock, Sledway, Shipwash, Spitway. Wenn ich nicht weitere 20 Meilen zu meiner 52 Meilen Etappe addieren wollte, würde ich zwei Sandbänke da überqueren müssen, wo es keine Markierungen gibt. Da die Sandbänke ständig ihre Position ändern, waren meine veralteten Karten relativ wertlos. Ich hatte aber zum Glück im Internet eine Vermessung von 2024 mit Wegpunkten gefunden. Es war immer noch unheimlich, als der Tiefenmesser von zuerst 20m relativ schnell auf 2,5m sprang. Wir kamen aber unversehrt durch und kamen in Brightlingsea an mit genug Wasser unter dem Kiel um die 1m trockenfallende Barre vor der Hafeneinfahrt zu überqueren.
Am nächsten Morgen kam Andrew vorbei und wir aßen englisches Frühstück im Cockpit und gingen danach spazieren. Es war sehr schön, ihn wiederzutreffen.

Die Gegend hier ist bezaubernd mit viel wilder Natur, überall Wasser und jeder Menge segelnder Kinder in Jollen. Es gibt auch eine Fußgängerfähre über den Colne Fluß. 
Ich hatte noch ein paar Dinge am Mast zu erledigen und wollte für die nächste Passage das Rigg checken. Danach war ich sehr müde und ging früh ins Bett. Wahrscheinlich war ich immer noch nicht wieder fit.
Am Donnerstag lief ich die 2km zum großen Coop, um für die Nordseeüberquerung einzukaufen. Auf dem Weg traf ich einen schwarzen Postboten, der wie die meisten hier lächelte und mir zuwinkte. Er sagte: “You have a very nice dark tan, you can’t be from here”… Ich sagte: “Well thanks, but not as nice as your tan”. Daraufhin lachte er und meinte: “Well… give it another week or so”. Ich liebe dieses Land.
Als ich wieder zurück war nahm ich die Fähre zur Sandbank bei Point Clear. Ging ein bißchen am Strand spazieren und fuhr zurück. Danach aß ich Fish & Chips und bereitete mich auf die Nordseeüberquerung nach Dänemark vor.


2 Antworten auf „Brightlingsea“

  1. Good to hear the black postman was in a good mood. The situation for all none-white citizens is very scary and disappointing at the moment. Not a very nice country at all and not one to be proud of.
    However, good to see you making good progress and and are on the way home.
    All our love from Clare and Markus, Pippi as well as Tilly and Joe (both demonstrating against the Nazis)

    1. Yes. I understand and at the time of writing I hadn’t even heard about the things that are happening at the moment. I have hardly read any news on my whole trip.
      Sadly everywhere you look racism, fear and hatred seem to be on the rise. I am sorry that things have deteriorated to such an extent in the UK.
      What I DO love about this country (and other countries too for that matter) is the sense of humor and the openness and friendliness towards me that I have experienced and the fact that it is a beautiful country. Had I known about the recent events at the time I wrote the post, I would probably have elaborated a bit more.
      The reason I found this short exchange between the postman and me remarkable was of course because I thought it was funny but also because I had the feeling that neither of us was afraid of saying something wrong, which has become quite seldom these days. It was just a heartfelt greeting with a few jokes. At least that is what it felt like to me but I’m pretty sure from the situation and the body language that it felt like that to him too.
      My love to all of you
      Kai

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