Wie es nunmal öfter so passiert, ging durch ein kleines Detail mein ganzer Plan auf einmal den Bach runter. Das kleine Detail war in diesem Fall eine Sardinendose, die ich am Abend vor der Abfahrt gegessen hatte und ich erspare Euch die Details meiner Übelkeit, die mich die ganze Nacht beschäftigte. Es war nicht schön und ich lag am nächsten Morgen vollkommen erschöpft in meiner Koje, tat mir selbst sehr leid und war nicht im Geringsten in der Lage eine dreitägige Offshorepassage zu unternehmen. (Ich weiß, daß für Webb Chiles alles unter 1000 Meilen gar nicht als Passage zählt, aber für mich verweichlichtes Greenhorn war das eine, oder wäre es gewesen).

Rapha vom Hafenbüro brachte mir Kamillentee und ich bekam ein paar Tips von dem vollkommen verrückten Alain, der wahrscheinlich einer der glücklichsten und zufriedensten Menschen auf diesem Planeten ist, nachdem er in verschiedensten kleinen Booten solo um die Welt gesegelt ist, mit einem Motorrad durch Afrika gefahren und jetzt mit 72 Jahren auf einem 8m Boot unter eine Plane, die er über’s Cockpit spannt in Sada lebt.
Da nach ein paar Tagen ein Sturmtief kommen sollte und ich ja nun einen ganzen Tag durch meine Krankheit verloren hatte, war meine 3-4 tägige Offshorepassage nun außer Frage. Das Wetter war aber gut und ich wollte endlich weiter. Also entlang der Küste innerhalb der 20m Linie wo möglich (was so gut wie nie ist). Ich hatte jetzt also Angst vor Orcas UND Felsen aber kannst ja nix machen… Der Vorteil von der Sache: Ich konnte nun also Sightseeingmäßig entlang dieser wunderschönen Küste segeln.
Der erste Ankerplatz war in Camariñas. Nachdem wir um’s Cabo Vilán rumkamen nahm der Wind derartig zu, daß ich schon die ersehnte Nachtruhe dahinschwinden sah, denn er kam wie durch eine Düse ein Tal entlang direkt in die Ankerbucht gebrettert. Es gab aber keine Wellen und der Wind schlief dann auch zur Nacht ein und so konnte ich ruhig schlafen.








Anker auf vor dem Frühstück (das mußte unterwegs passieren) am nächsten Morgen. Leider gb es überhaupt keinen Wind, aber es mußte weitergehen. Wir motorten an Kap Finisterre vorbei immer an der Küste entlang. Ich hatte eigentlich vor, die Nacht in Muros zu verbringen, entschied aber weiterzufahren, denn wir kamen gut voran und auf diese Weise hätten wir am nächsten Tag 15 Meilen weniger Strecke bis nach Vigo.
Der Anker fiel vor einem kleinen Strand in der Ría Arousa. Außer uns gab es nur noch ein paar Fischer, die anscheinend nicht sehr zufrieden mit unserer Präsenz waren und alles taten, um uns den Aufenthalt zu erschweren. Mehrfach fuhren sie an Amy so nah und so schnell vorbei, daß durch die dabei entstehende Welle alles im Inneren durcheinanderflog. Zweimal kamen sie uns dabei so nahe, daß ich befürchtete, sie würden uns nicht sehen und sie anschrie. Daraufhin gab es als Antwort ein Grinsen, weitere Kommunikation war nicht drin.
Der nächste Morgen war extrem neblig und ich mußte mit der Abfahrt warten. In der Zwischenzeit hatten die Fischer ihre Netze einmal um Amy herumgespannt, sodaß man nur sehr nahe am Ufer wo es flach war herauskam. Das taten wir auch. Wie nützlich doch manchmal so ein flacher Kiel sein kann.












Es gab nur wenig Wind, aber der reichte zum Segeln. Der Nebel kam zurück und blieb für lange Zeit mit so gut wie gar keiner Sicht und so konnten wir wenigstens die anderen Schiffe um uns herum hören. Das ist bei laufendem Motor nicht möglich und viel unheimlicher. Vor Vigo sind große Schiffahrtswege und man konnte die fetten Pötte mit ihren beeindruckenden Nebelhörnern gut hören. Immer wenn ich in mein kleines Nebelhorn blies, aus dem ein verhältnismäßig kläglicher Sound kam, kam ich mir klein und verletzlich vor.
Ein paar Stunden vor Vigo lichtete sich der Nebel und der Wind schlief ein und wir machten ritterliche Versuche, weiterzusehen, aber es wurde langsam Abend und irgendwann gab ich auf und der Motor brachte uns in die Marina Punta Lagoa, wo es eine Platz gab neben einem Holländer und einem holländischem Schweden. Wir sind zusammen Essen gegangen, tranken viele Biere und hatten ernsthafte Diskussionen über Themen, die die Welt bewegen. Ein großer Spaß.
Am nächsten Tag ging ich nach Vigo in die Stadt. Eine Stunde zu Fuß (pro Weg). Ein schöner Sightseeingtag. Der holländische Schede machte sich und das Schiff klar für seinen Weg nach Hause am nächsten Tag (per Flugzeug, das Schiff wollte er dalassen). Und dann kam der Sturm, … aber richtig. Und ich war sehr froh, so schön geschützt in dieser Marina zu liegen, die für dieses Wetter perfekt schien.
Ich hatte den ganzen Tag schon nach Wetterfenstern für meine Fahrt nach Madeira geschaut. Eigentlich hatte ich auf nächsten Donnerstag gehofft (heute war Sonntag), aber das ging schon wieder nicht mehr. Dafür erschien eins (ein etwas fragwürdiges) für morgen. Nachdem ich alles tausend mal durchgegangen war, entschied ich mich zu fahren. Das hieß, morgen noch so früh wie möglich Wäsche machen und einkaufen für mindestens eine Woche und dann los. Der Holländer und ich gingen nochmal in dem selben Laden essen und ich dann in die Koje. Ich war aufgeregt, hatte aber auch Angst vor der morgigen Passage, die die längste, die ich bis dahin jemals gemacht hatte werden würde.


















