Isles of Scilly

Ich hatte eigentlich vor, gegen 2300 mit Hochwasser aufzubrechen. Da die ganze Gegend vor dem Hafen voll mit Lobster Pots war (am Meeresboden befestigte Hummerkörbe, die durch mit Leinen besfestigten Bojen eingeholt werden, die sich wiederum wunderbar um einen Bootspropeller oder Kiel oder Ruder wickeln), dachte ich, es wäre vielleicht doch besser, für die erste Stunde noch Licht zu haben. Der Hafenmeister grinste und sagte, die Bojen werden eh von der Strömung unter Wasser gezogen und sind kaum sichtbar. Außerdem ist hier nicht, wie angenommen, bei Hochwasser keine Strömung. Also eigentlich alles eh Wurscht, aber ich bin dann doch um 2200 los um so alibimäßig zur Selbstberuhigung noch etwas Dämmerungslicht zu haben.

Rushy Bay – Bryher

Die Richtmarken waren befeuert, man konnte also gut trotz der krassen Querströmung durch die Riffs navigieren und verhindern, daß der Name auf Graveyard of 1001 Ships hätte geändert werden müssen. Der Wind kam so gut, daß ich quasi gleich den Motor abstellen und ohne Rumtanzen auf dem Vordeck erstmal nur mit Fock aus dem ganzen Steingedöns ins tiefe Wasser segeln konnte.
Die Nacht war toll. Sternenklar mit Sternschnuppen, sodaß ich mir ständig das Gleiche wünschte. Der nächste Tag verlief auch sehr entspannt und ich machte ein paar Schleppangelversuche zu Makrelenaquise, aber die wollten irgendwie nicht. Ich glaube , wir waren einfach zu schnell. 

Der Wind kam meistens platt von hinten und ein gemeiner Schwell direkt von der Seite, was dazu führte, daß die Segel unangenehm schlugen und als der Wind noch mehr nachließ, kamen die Segel runter und wir motorten, um das Material und die Nerven zu schonen. Nach kurzer Zeit, ging es aber schon wieder mit dem Segeln und dann sogar bis kurz vor den Inseln. Ich hatte damit gerechnet, daß der Wind uns deutlich früher verlassen würde. Die Nacht war wieder so schön und wieder gab es Sternschnuppen. Das Licht vom Round Island Leuchtturm vor Saint Helen’s war schon seit einiger Zeit zu sehen und jetzt fing es auch an zu dämmern. Perfektes Timing. 
Meine auserwählte Ankerstelle vor Saint Martin’s war doch exponierter, als ich gehofft hatte, aber wir hatten Platz, der Anker hielt, der Ausblick war toll und so wurde das Dinghy klargemacht und bei herrlichem Wetter ein erster Landgang unternommen. Alles auf den ersten Eindruck sehr schön hier. Es gab einen kleinen Kiosk und ich wollte mir so gerne eine Limo kaufen, hatte aber keine englischen Pfund dabei. MIt Karte zahlen ging erst am 2 Pfund. Also mußte zu der Limo für 1,80 noch ein Bier dazu… für 1,40!!

Zurück an Bord dann der neue Wetterbericht und direkt ein Kloß im Hals. Der Wind sollte zwar noch aus der gleichen Richtung kommen, aber viel stärker werden. Um es kurz zu fassen: der Wind kam aus einer anderen Richtung, die uns komplett ungeschützt lies. Der Atlantikschwell kam gleich mit in die Bucht und wir hatten eine beschissene Nacht und eigentlich dann auch noch einen beschissenen Tag. Immerhin hatte ich mir vorher noch die Insel angesehen, denn jetzt war erstmal an Landgang nicht zu denken.
Am späten Nachmittag flaute es dann ab und ich machte noch eine Erkundungsrunde der umliegenden Felsen mit dem Dinghy und ging dann schlafen. Die Nacht war ruhig und ich schlief wie ein Stein.
Am nächsten Tag ging es weiter zu den unbewohnten östlichen Inseln. Das Ankeraufmanöver unter Segeln und dann bei super wenig Wind mit 1,5 kn aus der Bucht gleiten ist für mich immer noch ganz schön aufregend, besonders bei den hiesigen Strömungen, aber wenn es dann klappt, fühle ich mich ganz toll. 
Beim Ankern vor Great Gannily wurde ich direkt von einem neugierigen Seehund begrüßt. Es war extrem ruhig hier und auch kein nennenswerter Wind angekündigt. Nach einer Erkundigungstour mit dem Dinghy war klar, daß ich hier nirgendwo entspannt an Land gehen konnte. War aber auch egal, den die Aussicht war perfekt und es war sehr schön einfach nur den Vögeln und den heulenden Seehunden zuzuhören. Außerdem brauche ich eh immer ganz schön Zeit, um den nächsten Abschnitt zu planen. Wetter und Gezeiten ständig im Blick zu haben, ist hier essentiell. Zu manchen Orten kommt man zu bestimmten Zeiten gar nicht hin, oder nicht mehr weg. Wenn dann der Wind aus der falschen Richtung kommt, kann das unangenehm werden. Der Elektroaußenborder brauchte auch eine kleine Reparatur. So gab es genug Beschäftigung.

Am nächsten Vormittag nach zweimaligem Umentscheiden ging es nach Bryher im Westen der Inseln. Hier bin ich jetzt gerade und schreibe. Ankerauf wieder unter Segel und dann los, aber eine Stunde später war nichts mehr übrig an Wind und die Strecke war etwas länger. Also Motor an. Neben den Wetterbeobachtungen, will man auch nicht zu spät am Platz sein, denn jeder Platz ist heiß begehrt. Bis jetzt hatte ich immer Glück, aber das mußte ja nicht so weitergehen.
Ging es aber… Keiner hier. Der Untergrund war etwas widerborstiger, als erhofft und der Anker hielt erst beim dritten Mal und jetzt kamen schon die ersten Zweifel auf… Aha, deswegen ist keiner hier, weil hier nichts hält, wahrscheinlich wird das wieder eine anstrengende Nacht…
Ich ging an Land, um mir die schöne bewohnte Insel Bryher anzusehen und als ich wiederkam, waren schon drei andere Segler in der Bucht. Ich fing noch einen kleinen Pollack, der direkt ohne was dazu in die Pfanne kam und köstlich schmeckte und die Nacht war super ruhig und enspannt.

Ein paar Telefonate am nächsten Morgen und aufräumen und dann wollte ich einen ausgiebigen Spaziergang auf der unbewohnten Insel Samson machen. Auf der Fahrt dorthin frischte der Wind stark auf und aus dem ausgiebigen Spaziergang wurde ein Gängchen. Der Wind satnd nämlich gegen den Strom und alle Boote drehten sich um ihre Ankerketten und es war dringende Aufmerksamkeit an Bord erforderlich. Der Ausflug war trotzdem schön.
Jetzt ist die Tide wieder gekippt. Wind und Strom kommen aus der gleichen Richtung. Amys Anker scheint verläßlich zu halten und vielleicht gehe ich später am Abend nochmal an Land. Mal sehen.

Morgen möchte ich nach St. Mary’s. Das ist die Hauptinsel und hier kann man nur an Muringbojen bleiben, die erstaunlich viel kosten. Dort ist aber der einzige Einkaufsladen und meine Vorräte gehen zu Ende und ich möchte übermorgen weiter nach Camaret sur Mer in der Bretagne. Zur Not würde es auch für die 30h Fahrt noch reichen, aber lieber habe ich noch etwas mehr dabei.
Die Bilder, die ich bis hierher habe werden später noch durch weitere ergänzt.

St. Mary’s:





4 Antworten auf „Isles of Scilly“

    1. Dear Schorly!
      Thanks and please excuse the late reply…
      I would say the Scillies are a very good place. Very beautiful, solar eclipse or no solar eclipse.
      Greetings to all
      Kai

  1. Hallo Kai,

    Danke für Deinen schönen Bericht!

    Ich habe gerade im Urlaub einen bretonischen Krimi gelesen, der spielt in einer ähnlichen Inselgruppe. Da dachte ich oft daran, wo Du jetzt wohl bist? Ich hoffe, Du bist gut bei Deiner nächsten Station angekommen.

    Im Krimi stand auch das bretonische Stichwort „ »Une mer calme n’a jamais fait un bon marin.«
    »Eine ruhige See hat noch keinen guten Seemann hervorgebracht.«
    Insofern bist Du ja für alles vorbereitet!

    1. Lieber Christoph!
      Vielen Dank für Deine Nachricht. Ja, den Spruch kannte ich auch. Keine Ahnung, wie gut oder nicht ich vorbereitet bin. Ich versuche eh, wenn es geht, der unruhigen See aus dem Weg zu gehen 🙂 Bin gut in Camariñas in Spanien angekommen und habe gerade den Blog wieder auf den neuesten Stand gebracht.
      Hoffe, es geht Euch gut.
      Viele Grüße
      Kai

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