Kilmore Quay

Um 1400 Leinen los. Eigentlich alles ok, aber ich war irgendwie ängstlich und verunsichert. Nachdem bei mir im Funkgerät mal wieder ein All Stations Safety Call eingegangen war, der ein sehr nerviges lautes Warngeräusch macht und danach automatisch auf den von der Station gewählten Kanal schaltet, hatte ich, nachdem nichts kam, versucht, alles zurückzuschalten und mich durch diverse Menus gearbeitet. Eigentlich weiß ich wie es geht, aber in meiner Aufregung das falsche Menu erwischt, und selbst einen All Stations Urgency Call ausgelöst. Bevor ich etwas rückgängig machen konnte meldete sich auch schon Dublin Coast Guard, was denn los sei. Ich erklärte mein Malheur und es wurde sehr freundlich reagiert, allerdings hörte ich dann auf Kanal 16 “an alle Funkstellen… der Urgency Call von der Segelyacht Amy Rufzeichen…, MMSI…, usw. wurde aus Versehen ausgelöst”… etwas peinlich. Naja.

Kilmore Quay

Die Fahrt verlief eigentlich gut. Das Wetter war nicht schön, immer wieder regnete es – von hinten. Wir hatten Wind von hinten und vor der Küste ist ein sehr starker Gezeitenstrom und so flogen wir die ersten 6 Stunden mit über 8kn dahin und die nächsten 6 krochen wir mit 1.5 weiter, um dann nochmal in den Genuß des Rasens zu kommen. Am Carnsore Point (der Südostecke Irlands bildeten sich ekelhafte Kreuzseen, aber da war es zum Glück schon hell und man konnte gut sehen. 
Die Einfahrt in den Hafen war auch interessant mit knapp 3kn Querströmung. Es gab Richtmarken und alles ging gut, aber um uns herum schäumte das Wasser und es war schon etwas unheimlich.
Ich hatte von Dublin aus den Hafen angerufen und mir wurde gesagt, der kleine Hafen sei eigentlich immer voll, aber bei meiner Bootsgröße würde ich schon etwas finden. Kurz vor dem Hafen rief ich wieder an und mir wurde gesagt, daß ich am Hammerhead ins Päckchen gehen soll. Es gab schon zwei Dreierpäckchen und nur ein großes französisches Schiff hatte noch niemanden außen dran. Also ging es dahin. Die Franzosen waren sehr nett und halfen mir, sagten aber sogleich, daß wir eh in einer halben Stunde hier weg müßten, weil ein noch größeres Schiff käme. Mir sank etwas das Herz in die Hose. Das Wetter versprach, nicht gut zu werden und ich wollte sehr gerne im Hafen bleiben. Dann kam der Hafenmeister und fragte, wer Kai sei mit der Amy. Ich sagte, ich und dann sollte ich mitkommen mit Amy. In eine sehr enge Gasse, aber die war ganz gut windgeschützt, außerdem winkte da schon der Meister und half mir auch, Amy rückwärts an einen eigen Finger Pontoon zu bugsieren. Wir hatten nun also unseren eigenen sicheren Platz, während die anderen, die schon Tage da waren im unruhigen Fischereihafen im Päckchen lagen. Ich war sehr zufrieden. 
Kilmore Quay ist ein kleiner sehr beschaulicher Ort. Das Wetter war sommerlich. Ich machte einen längeren Spaziergang an einem Pfad, der den ganzen nicht von der See zurückgekehrten Menschen von früher bis heute gewidmet war. Er war sehr schön gemacht, aber etwas beklemmend. Es half auch nicht gerade für meine Stimmung, daß die Gegend hier “Graveyard of a Thousand Ships” genannt wird. 

Es gab einen gut sortierten Schiffsausrüster, wo ich sehr günstig ein paar Dinge erstand. Ein paar Sachen konnte ich auch noch im kleinen Supermarkt kaufen, aber der war teuer und es gab nicht viel. Ein Glück hatte ich in Dun Laoghaire noch den Rieseneinkauf gemacht, denn auf den Scillies würde ich erstmal nichts bekommen. Überall standen Reetdachhäuser herum. Überhaupt sah es hier sehr anders aus, als weiter im Norden.
Am übernächsten Abend wollte ich dann weiterfahren zu den Scilly Inseln. Ca 110 Seemeilen und ich rechnete mit irgendwas zwischen 24 und 30 Stunden. Wollte allerdings nicht im Dunkeln ankommen, daher lieber später los. Da der Wind dann aber einschlafen sollte, auch nicht zu spät.


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