Carrickfergus, Nordirland

Der Mull of Kintyre hat nicht gerade den besten Ruf. Es gibt sogar einen Kanal um nicht an ihm außen entlang zu müssen. Wir hatten genug Kanal und Schleusen gehabt und da das Wetter nicht so aussah, als würde es ernsthafte Probleme geben ging es los Richtung Belfast, direkt am Mull vorbei. 

Anfahrt nach Carrickfergus

Die Idee war, die Tide und die Fahrt genauso abzupassen, daß wir bei bei keiner Strömung dort ankommen würden und danach mit der Strömung den North Channel nach Süden rauschen und queren würden. Es ging zwar alles irgendwie auf, war aber trotzdem nicht so toll. Auch ohne Tide und schlechtes Wetter gab es ekelhafte Kreuzseen an besagter Stelle und, da der Wind mittlerweile auf 7 Bft aufgefrischt hatte und wir den Kurs änderten, mußte der Spibaum vom Vorsegeln geborgen werden. Es gibt schönere Aufgaben beim Segeln, als in so einer Kreuzsee mitten in der Nacht auf dem Vordeck mit dem Spibaum rumzuturnen.
Der Rest der Fahrt war dann aber entspannt und am nächsten Morgen fuhren wir im Sonnenschein die nordirische Küste entlang.

In Carrickfergus bekamen wir einen Platz am Hammerhead (also dem Ende des Pontoons). Dort ist es für uns meistens besonders einfach mit dem Anlegen. So auch jetzt. 
Kurz darauf legte noch eine Albin Vega an mit zwei Deutschen, die vor Jahren nach Schottland ausgewandert waren. Wir verabredeten uns für den Abend uns gegenseitig zu besuchen und die Boote zu besichtigen. Zissi und ich schauten uns noch die Burg an (beim Kauf der Eintrittskarte wurden wir gefragt, ob wir “eligible for a senior citizen’s discount” wären, na toll) und liefen ein wenig im Ort herum und verbrachten einen sehr netten Abend mit unseren Albin Vega Nachbarn.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Zug nach Belfast rein. Als erstes ging’s zum St. George’s Market, wo der Skipper feststellte, daß es schon wieder Hunger hatte und ein Belfast Bap (ein Brötchen gefüllt mit einem Schinken- und Wurstvorrat für das nächste Jahr und einem Spiegelei) mußte her.

Danach ging’s per Spaziergang durch die Stadt zum Titanic Museum. Für alle, die es nicht wußten (wie ich zum Beispiel), die Titanic wurde hier gebaut. Wieder die Frage, ob wir Senior Citizen’s wären… Ich bilde mir ein, daß es noch nicht so lange her ist, daß man immer noch ab und zu den Ausweis zeigen mußte, um Alkohol zu kaufen… aber egal…. Das Museum war so toll, daß wir eigentlich den ganzen Rest des Tages dablieben. 
Wir sind dann aber doch noch auf die andere Seite der Stadt gelaufen, wo die Peacewalls immer noch stehen (und angeblich teilweise nachts trotz des Friedensabkommens immer noch geschlossen werden). Ein sehr bedrückender Anblick. Nach der gesunkenen Titanic, den Peacewalls und diesem Teil der irischen Geschichte und unseren Wetteraussichten für die Weiterfahrt war unsere Stimmung auf dem Rückweg eher verhalten.

Wir hatten die Wahl zwischen morgen gleich ganz früh losfahren und dann später richtig was auf die Mütze zu bekommen, oder übermorgen ganz früh los mit Mütze richtig voll und dafür nach hintenraus etwas entspanntere Fahrt zu haben. Danach war länger nichts in Aussicht, um nach Süden zu kommen. Plan C wäre, wir blieben hier und Zissi fährt nach einer Woche von hier nach Dublin, um nach Hause zu fliegen, aber der sagte uns auch nicht so zu. Wir entschieden uns für den zweiten Plan und verbrachten noch einen Tag in Carrickfergus, den ich hauptsächlich mit Wetterbrichten verbrachte, in der Hoffnung, noch irgendwas Gutes daran zu finden und außerdem den Voyage Plan bei der UK Border Force einzureichen, weil wir wa jetzt das Land verlißen und in die EU fuhren.


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