Nordsee

Nach ein paar anfänglichen Stunden unter Motor kamen die Segel hoch und Amy machte immerhin 4kn Fahrt bei nur 2 Windstärken. Der Wind nahm zwischendurch auch nochmal ab, sodaß wir teilweise nur sehr langsam vorankamen. Das war mir aber egal, denn das Starkwindfeld gegen Ende der Fahrt sollte eigentlich mehr vor der schottischen Küste sein, als weiter im Osten. Daher mein Gedanke: wenn ich später ankomme, bin ich eventuell besser dran. Das stimmte dann natürlich nicht, aber so redet man sich halt immer alles schön. Am zweiten Tag war so wenig Wind, daß man durch das Wasser sehen konnte und damit auch die Delphine, die unter dem Boot durchschwammen und mit Amy spielten. Wir machten immerhin noch 1.5 – 2kn Fahrt. 

Später frischte es dann auf 3 Bft auf und es zog sehr dichter Nebel auf. Der dauerte auch fast für den Rest des Tages an. Meine Wetterabfrage mit dem Kurzwellenradio ging manchmal etwas zäh voran. Ob das an dem Nebel lag? Wer weiß…. Nach entsprechend langer Zeit bekam ich auf jeden Fall meine Wetterdaten und die Vorhersage für den Montag wurde nicht gerade besser. 

Am Sonntag kam die erste Front und ich verbrachte eigentlich den ganzen Tag mit Reffen und wieder Ausreffen. Insgesamt war das aber alles harmlos, denn die Wellen blieben klein. Schiffsverkehr gab es so gut wie keinen in der Gegend und ich war noch nicht bei den Öl- und Gasfeldern angelangt. Insofern konnte man sich voll und ganz aufs Segeln, schlafen und die Nahrungsaufnahme konzentrieren. Ein Schiff kam dann aber doch und wie konnte es anders sein, direkt auf uns zu. Nachdem ich mir das eine Weile angesehen hatte, beschloß ich, die Wachhabenden doch mal auf uns aufmerksam zu machen. Es klang am Funkgerät so, als hätten sie uns längst gesehen und schon entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Nach unserem Gespräch, schwenkte der Bug dann aber doch nochmal sehr deutlich nach Backbord auf einen Punkt hinter unserem Heck zu. Sehr beruhigend.
Sonntag Nacht frischte es dann auf 6 Bft auf. Nach ein paar Stunden waren auch die Wellen entsprechen unangenehm und der Kurs nicht mehr zu halten. Laut dem Wetterbericht sollte das bis zum nächsten Morgen so gehen und dann abflauen. In Wirklichkeit waren es dann 24 Stunden von denen ich 6h beidrehte, weil der Seeschlag und die Erschütterungen im Schiff einfach nicht mehr auszuhalten waren und ich das Gefühl hatte, Amy sehr zu schaden.
Während dieser Zeit trieben wir immer weiter nach Norden und ich hatte vorgehabt, sobald Wind und die Welle nachließen, eventuell mit einem Schlag wieder nach Südwesten in Richtung Peterhead weiterfahren zu können. Der nächste Wetterbericht behauptete aber, daß ab demnächst der Wind auf Süd drehen würde und damit wären wir an unserer Position extrem schlecht aufgestellt. Also hieß es wieder nach Südosten zurücksegeln. Ein besserer Kurs war nicht zu machen. Nach weiteren fünf Stunden waren wir wieder auf unserer alten Kurslinie und siehe da, der Wind lies nach und drehte südlich. 
Mittlerweile war im Vorschiff alles komplett durchnäßt. Es fing damit an, daß durch den neuen!! In Greifswald frisch eingebauten Lüfter mit jeder Welle eine Gießkanne Wasser durch das Deck kam. Als ich nachsehen ging, wurde ich von der Seite geduscht durch das Fenster, das durch den Seeschlag ein bißchen eingedrückt worden war und jegliche Dichtigkeit verloren hatte. Als wäre das noch nicht genug, kam nun auch noch Wasser durch das Vorluk.
In der Nacht hatte der Wind nachgelassen und wir konnten auf direktem Kurs in Richtung unser Ziel segeln. Die Welle baute nun auch ab und ich konnte zum ersten mal seit 24 Stunden wieder schlafen gehen. Ich war sehr müde und so war auch innerhalb der 20 Minuten immer sofort eine Tiefschlafphase erreicht und am nächsten Morgen fühlte ich mich wie neugeboren. 
Nun kam der Regen und ich stellte fest, daß es noch eine vierte Undichtigkeit an Deck gab. Alles nicht schön. Aber auch der Regen zog irgendwann vorbei und es wurde ein herrlicher Tag mit wenig Wind, kaum Welle, sehr langsamem Segeln aber in die richtige Richtung. Meine Stimmung stieg stark an und ich verbrachte einige Zeit mit Angeln (leider vergeblich).
Gegen 2000 fuhren wir in die 12 Meilen Zone und ich rief die Küstenwache an (auch vergeblich, aber ich hatte mein Soll erfüllt). Gegen 2300 waren wir 1.5 Meilen vor dem Hafen Peterhead an und ich funkte die Hafenbehörde an, um um Einfahrtserlaubnis zu bitten. Abgesehen davon, daß ich noch über 30 Minuten kreisen mußte, um die Ein und Ausfahrt von zwei großen Plattformversorgern abzuwarten, sagte mir der Hafenmeister, daß in der Marina kein Platz frei sei und ich weiterfahren sollte. Ich beharrte aber darauf, wenigstens einmal selbst nachzusehen. Das stellte sich als Glück heraus, denn es gab tatsächlich noch Platz. Ich rief noch bei der Border Force an. Die hatten sich schon etwas Sdorgen gemacht, weil wir seit einem Tag überfällig waren. Sie konnten mich jedenfalls übers Telefon einchecken und ich konnte die gelbe Q Flagge runterholen.

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